Studieren mit unsichtbaren Krankheiten

Mit Krankheiten und Behinderungen zu studieren kann eine Herausforderung sein. Wenn die Erkrankung dann aber für die Mitmenschen nicht sichtbar ist, entstehen nochmal ganz andere Hürden und Situationen. Bei offensichtlichen Krankheiten wie einem gebrochenen Bein wundert sich niemand, wenn die Person selbst in den ersten Stock mit dem Aufzug fährt. Wenn die Erkrankung nicht sichtbar ist, wird das oft belächelt oder es fallen sogar Beleidigungen. Auch bei uns an der Uni Stuttgart gibt es Studierende mit unsichtbaren Krankheiten.

Zu den sogenannten unsichtbaren Krankheiten zählen unter anderem psychische Erkrankungen, Epilepsie, Diabetes und Multiple Sklerose. Häufig sind die Symptome zwar ersichtlich, werden aber nicht einer Krankheit zugeschrieben, da Gesunde sie auch kennen. Dies kann zum Beispiel bei Müdigkeit und Erschöpfung der Fall sein. Gut gemeinte Tipps wie eine frühere Schlafenszeit helfen den Betroffenen aber nicht. Oft wird betroffenen Personen auch vorgeworfen, sie würden nur simulieren oder die Krankheit als Ausrede für eine falsche Lebensweise verwenden. Diese Vorwürfe stellen eine doppelte Belastung für Betroffene dar.

Um Vorurteile abzubauen und Verständnis für Betroffene zu verstärken, berichten wir über das Studium mit unsichtbaren Krankheiten. Dafür haben wir verschiedene Studierende nach ihren Erfahrungen im Studium gefragt. Die Erfahrungsberichte mit redaktionellen Änderungen findet ihr hier. Teilweise sind die Erfahrungsberichte anonym gehalten, teilweise sind aber auch Kontaktdaten angegeben.

Für Studierende mit Erkrankung oder Behinderung:

Falls du selbst eine chronische Krankheit oder Behinderung hast, kannst du dich an die*den Beauftragten der Universität (studium-mit-handicap@uni-stuttgart.de) wenden. Es gibt auch Nachteilsausgleiche, die dir im Studium helfen können. Unser Referat Gleichstellung, Diversity und Soziales hat zudem eine Gruppe für Studierende mit chronischen oder psychischen Erkrankungen oder Behinderungen ins Leben gerufen. Wenn du an den Treffen der Gruppe teilnehmen möchtest, kannst du dich an beeintraechtigung@stuvus.uni-stuttgart.de wenden. Gerne erweitern wir auch diese Seite mit deinem Erfahrungsbericht. Kontaktiere uns hierfür per Mail an referentin-oeffentlichkeit@stuvus.uni-stuttgart.de oder via Instagram (@stuvus.unistuttgart).

“Inmitten einer bis dahin erfolgreichen aber intensiven Masterarbeit stürzte ich in ein tiefes Loch, aus dem ich bis heute nicht ganz raus bin.”

Depression

Hallo Leute,

Im Rahmen von stuvus‘ Aktion um mehr Awareness für unsichtbare Krankheiten zu schaffen will ich mit euch meine Erfahrungen teilen. Ich erzähl euch kurz wies mir geht, hauptsächlich geht es mir aber um euch und darum euch Hilfe und Hoffnung zu spenden.

Ich bin 25 Jahre alt und stehe am Ende eines langen und schweren wissenschaftlichen Studiums. Schon mit 16 wurde eine Depression bei mir diagnostiziert. Ich habe den ganzen Sermon mit Aufklärung, Therapie, Medikation und Akzeptanz schon hinter mir. Ich kam bisher gut klar, oder zumindest dachte ich das. Die Art der Depression, die mich plagt, taucht phasenweise auf, sodass ich alle paar Wochen, für ein paar Tage leicht bis mittel depressiv bin. In der Prüfungsphase trat das auch schon mal länger auf aber auch ‚ohne Grund‘ beschließt mein Gehirn manchmal zu streiken. Im Studium hat es mich bis jetzt nicht tragisch beeinflusst. Ich musste hier und da mal eine Klausur schieben, weil das Lernen in den schweren Phasen unmöglich ist. Ich fühlte mich aber ganz selbstbewusst und sicher im Umgang mit der Krankheit. Es war ein Kampf und es bleibt ein Kampf aber ich hatte genug Hilfe durch Ärzte und Therapeuten und Unterstützung durch meine Familie und meinen Partner um damit umzugehen. Nur Freunden habe ich nie davon erzählt. Ihr kennt das vielleicht. Ich hatte einfach zu viel Angst vor Missverständnissen und Verurteilung oder dass meine Freunde mich plötzlich anders sehen oder behandeln.

Erst Anfang diesen Jahres habe ich meine Einstellung dazu ändern müssen. Inmitten einer bis dahin erfolgreichen aber intensiven Masterarbeit stürzte ich in ein tiefes Loch, aus dem ich bis heute nicht ganz raus bin. Ich bekam zu spüren, dass nicht ‚alles okay‘ war und mein Körper streikte komplett. Ich hatte mit Sinnesverlust, Pseudodemenz, Atemnot, Schlafstörungen und einer Lethargie zu kämpfen, die ich so nicht für möglich gehalten hatte. Lange Zeit konnte ich nicht mal wahrhaben, was mit mir passiert, weil ich davon überzeugt gewesen bin, alles im Griff zu haben und meinen Körper zu kennen und zu verstehen. Es folgte der Abbruch der Masterarbeit, da ich belastungsunfähig war. Ich war teilweise sogar lebensunfähig (Kochen, Duschen, Einkaufen waren extrem schwer), sodass ich sehr dankbar für meine Familie war, die sich um mich gekümmert hat. Ich hatte außerdem das Glück in einer Tagesklinik aufgenommen zu werden und im Anschluss einen Therapieplatz zu bekommen. Momentan ändere ich mein Leben (und hoffentlich mein Gehirn) und versuche ‚zurück‘ in einen neuen Alltag zu finden.

Jetzt zu euch. Zu dir. Ich weiß nicht wies dir geht. Vielleicht weißt du genau von was ich spreche, weil du auch ‚chronisch‘ krank bist. Vielleicht bist du in einer depressiven Verstimmung durch die Pandemie oder eine stressige Studienzeit. Vielleicht bist du in Trauer oder Schock um etwas oder jemand Verlorenen. Es gibt so viele Arten und Formen dieser unsichtbaren Krankheit und bei allen ist wichtig, dass man sie erkennt und sich Hilfe sucht. Die ‚Deutsche Depressionshilfe‘ bietet online einen Symptom-Selbsttest an, falls du dir nicht sicher bist, was alles dazu gehört. Das wichtigste ist, dass du dich mitteilst. In der extremen Phase die ich durchmache, habe ich schweren Herzens Betreuer, Freunde und Kommilitonen eingeweiht und ich wurde überrascht. Ich erfuhr Verständnis, Akzeptanz, Unterstützung und ich musste mich nicht erklären oder rechtfertigen. Ich weiß, dass es einfacher wäre, du würdest bluten oder humpeln, dann würde jeder sehen, dass es dir schlecht geht und du müsstest nichts erklären. Aber die Angst davor missverstanden zu werden darf dich nicht davon abhalten dir Hilfe zu suchen. Am wichtigsten ist, dass du für dich akzeptierst und anerkennst, dass du krank bist und dass diese Krankheit genauso dramatisch ist wie ein offener Bruch oder eine chronische Nierenerkrankung und deshalb auch ebenso drastischer Maßnahmen bedarf! Auf dem Weg zur Hilfe kannst du mit der Beratungsstelle des Studierendenwerks beginnen. Du musst vielleicht etwas warten, aber du bekommst ein Gespräch mit einer/einem Psychologin/en und die können dir bei den weiteren Schritten helfen. Es ist super wichtig, dass du dich in Therapie begibst, wenn du dir selbst nicht mehr helfen kannst oder nicht genau verstehst was nicht stimmt. Mit Freunden reden ist gut, aber ich fand es immer extrem erleichternd jemanden Unabhängigen zu haben, mit dem ich alles diskutieren kann. Denn deine Angehörigen sollten wissen und nachvollziehen können wies dir geht und wie sie mit dir umgehen sollen, aber sie sollten nicht dafür verantwortlich sein dich zu behandeln. Eine Therapie ist nichts Dramatisches und das beste Mittel gegen eine Depression (mit Allem was dazu zählt), das ich euch empfehlen kann. Man kann schon ohne eine Überweisung oder sonstiges zu Diagnosegesprächen zu Therapeuten gehen. Das und auch die anschließende Therapie werden von der Krankenkasse übernommen und du kannst dich ganz diskret darum kümmern, wenn du erstmal niemandem davon erzählen willst. Ich weiß es ist schwer einen Platz zu bekommen momentan aber gib nicht auf! Bei der KVBW Ärztesuche kannst du dir ganz einfach eine Liste aller Therapeuten in deiner Umgebung erstellen lassen. Hol dir Hilfe von PartnerIn oder Familie etc. beim Telefonieren und E-Mails schreiben! Auch die Krankenkasse kann helfen einen Therapieplatz zu ergattern. Im Notfall, beispielsweise bei Suizidgedanken solltest du dich auf jeden Fall bei einer ambulanten Psychiatrie melden. Die sind 24/7 zu erreichen und werden dir helfen.

Gerade mit einer Depression scheint es unendlich schmerzhaft, mühsam und eigentlich unmöglich sich um all das zu kümmern. Kämpfen ist immer schmerzafter als Ertragen. Aber es ist deine Chance aktiv etwas für deine Gesundheit zu tun! Du bist stark. Egal wie dich die Krankheit betrifft, spiel es nicht runter und ignorier es nicht. Früher oder später muss man den Preis dafür zahlen, das habe ich auf die harte Tour lernen müssen. Unser Körper und unsere Seele zwingen uns dazu eine Pause zu machen, wenn wir ihre Notlage zu lange ignorieren. Also werde vorher aktiv und sei nett und führsorglich zu dir selbst! Behandle dich selbst wie du einen Freund behandeln würdest dem es schlecht geht. Denn die gute Nachricht ist: du KANNST selbst etwas dafür tun, dass es dir besser geht. Das ist bei anderen Krankheiten nicht immer der Fall.

Zuletzt noch ein Gedanke für Angehörige (selbst krank oder nicht), die das Vertrauen einer Person mit unsichtbarer Krankheit genießen und denen jemand von ihrem Leiden erzählt: Anzuerkennen und zu validieren, dass dein Gegenüber eine schmerzhafte, ernste Krankheit hat, bedeutet in keiner Weise, dass deine Probleme weniger ernst oder dein Schmerz weniger stark und wichtig sind! Schmerz soll und darf nicht verglichen werden. Jemand der sich dir offenbart sucht nicht nach Mitleid oder Bestätigung oder denkt, dass sein Schmerz größer sei als deiner. Das ist auch einfach nicht wahr. Versuche die Person und ihre Krankheit objektiv zu betrachten. Jemandem Verständnis und Hilfe zu geben heißt nicht, dass man nicht genau dasselbe Verständnis oder die gleiche Hilfe selbst auch verdient.

Lasst uns gemeinsam dazu beitragen Missverständnisse um Depressionen zu beheben und das Tabu zu brechen, indem wir offener damit umgehen, Akzeptanz üben, uns informieren und Betroffene nicht verurteilen.

“Ein Vollzeit-, Präsenz-Studium ist für mich jedoch unmöglich.”

Isabel, Sozialwissenschaften (Bachelor), ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue Syndrom)

Vor zwei Jahren hatte ich einen viralen Infekt, der sich zu der neuroimmunologische Krankheit Myalgische Enzephalomyelitis, auch bekannt als Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS) entwickelt hat.

Um zu verstehen, was es bedeutet mit dieser Krankheit zu leben, stelle man sich ein Handy vor. Allerdings eines mit sehr schlechtem Akku. Denn dieser, mein Akku, lädt sich nie zu hundert Prozent auf, egal wie lange er am Kabel hängt, kommt er maximal auf ca. 60%. Darüber hinaus entlädt er sich auch noch  viel schneller, als der von normalen Handys. Um ihn dann wieder ein bisschen aufzuladen, braucht er gleich doppelt so lange, wie funktionierende Akkus.

Nun bin ich aber natürlich kein Handy, sondern ein Mensch. Und diese Krankheit ist in Realität etwas komplexer und äußert sich in einer Vielzahl von Symptomen. Kurz gesagt ist es ein bisschen so, als hätte man permanent eine sehr schwere Grippe mit Glieder-, Kopf-,Muskel-, Halsschmerzen.. begleitet von bleischwerer physischer und kognitiver Erschöpfung.

Ich denke es ist nicht sonderlich schwer sich vorzustellen, dass diese Symptome Schwierigkeiten im Unialltag mit sich bringen. Nachdem ich mein Studium zuerst einmal abbrechen musste, konnte ich „dank“ Corona wieder einige wenige Kurse online belegen, ein Vollzeit-, Präsenz-Studium ist für mich jedoch unmöglich.

Es ist schwer, anderen verständlich zu machen, wie anstrengend scheinbar banale Aktivitäten wie Treppen laufen, Bus fahren, Literatur lesen, Rucksack tragen, soziale Interaktion usw. sind, wenn man auf den ersten Blick „ganz normal“ aussieht. Wenn ich mehrmals pro Tag im dunklen Zimmer liege um mich auszuruhen, sieht das niemand.

So gerne ich auch in Präsenz studieren würde, hoffe ich trotzdem, dass sich auch die neu errungenen Online-Möglichkeiten etablieren, um mir (und vielen anderen) mehr Teilhabe am Studium zu erlauben.

(Wer gerne mehr Informationen zu ME/CFS hätte, dem empfehle ich die arte-Doku: https://www.arte.tv/de/videos/096283-000-A/die-raetselhafte-krankheit-leben-mit-me-cfs/)

“Über psychische Erkrankungen wurde nicht gesprochen.”

Bea, 24, Depression

Als ich mit 18 anfing, an der Uni Stuttgart zu studieren, hatte ich eine diagnostizierte klinische Depression. Schon während der Schulzeit fühlte ich mich innerlich oft gestresst, überfordert und ängstlich. Das Gefühl, mit dem Leben nicht umgehen zu können und nicht gut genug dafür zu sein, begleitet mich seit dieser Zeit. Die Depression ging bei mir immer einher mit sozialen Ängsten, wobei ich nicht weiß, ob in meinem Fall die Depression die Ängste bestimmt oder ob es umgekehrt ist. Jedenfalls verstehen sich beide ziemlich gut und treten meistens gemeinsam auf, was den Übergang von Schule zu Uni nicht gerade leichter macht. Wenn man sich im Studium nicht überwinden kann, Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen und Fragen zu stellen, geht man relativ schnell unter und bleibt allein.

Eigentlich interessiert sich nicht wirklich jemand für dich: Wenn du es darauf anlegst, unsichtbar zu sein, dann gelingt das oft recht gut. Du bist eine Person unter vielen, musst dich selbst organisieren, und es liegt an dir, ob und wie stark du dich in und neben deinem Studium an der Uni engagierst. Wenn du nicht willst, musst du mit niemandem reden. Meist es auch nicht so wie in der Schule, wo immer noch geschaut wird, welche Noten du schreibst und ob es dir halbwegs gut geht, denn im Vorlesungssaal sitzen noch hundert andere Studierende. Schwierig für mich persönlich war es deshalb, mich in das Studium einzufinden und ich weiß, dass ich es nie richtig geschafft habe. Vieles war mir zu laut, zu schnell, zu schwierig. Obwohl ich immer wieder Anschluss wollte und suchte, habe ich mich nie einer Gruppe zugehörig gefühlt. Nach meinem Studium bleiben nur zwei Leute übrig, zu denen ich noch regelmäßig Kontakt habe; die anderen sind mir im Verlauf des Studiums verloren gegangen, weil mich das Aufrechterhalten von sozialen Kontakten sehr anstrengt. Das liegt zum einen daran, dass ich mich selbst als introvertierte Person bezeichnen würde, andererseits verstärken meine Ängste den Wunsch danach, allein zu sein, sodass ich zwar Kontakt haben möchte, aber mich gleichzeitig einfach nur zurückziehen will.

Schwierig war für mich die ganze Zeit über, dass ich mich mit meiner Krankheit an der Uni allein gefühlt habeÜber psychische Erkrankungen wurde nicht gesprochen, nicht zu Beginn der Studiums in den Einführungsveranstaltungen noch in einzelnen Seminaren noch mit Kommiliton*innen. Ich habe mich oft nicht getraut, über meine Depression zu sprechen, weil ich Sorge hatte, nicht verstanden zu werden und schwach zu wirken. Dabei wäre es völlig okay gewesen, darüber zu sprechen und sicher wäre mir mehr Verständnis begegnet, als ich damals dachte. Aber die Depression war bei mir ein stilles Leiden: Ich fand nicht die Worte, mich vor Kommiliton*innen zu äußern und auch keine Gelegenheit, in einem leisen Moment davon zu erzählen. Im Nachhinein finde ich es schade, dass es keine Selbsthilfegruppe oder Ähnliches gab, in der man sich hätte austauschen können (inzwischen gibt es eine). Menschen mit einer Depression neigen dazu, sich zurückzuziehen und müssen darauf aufmerksam gemacht werden, dass es die Möglichkeit gibt, auf andere Menschen zu treffen, denen es ähnlich geht. Die Depression zeigt sich in der Regel nicht dadurch, dass eine Person in der Vorlesung sitzt, die traurig aussieht und immer weinen muss. Manchmal bleibt ein Platz in der Vorlesung einfach leer, weil die betreffende Person nicht die Energie hatte, zur Uni zu kommen. Die Depression hat viele Gesichter und wenn wir genau hinschauen, sehen wir sie auch. Und wenn wir miteinander sprechen und genau hinhören, erfahren wir davon. Ich wünsche mir, dass an der Uni und in der Gesellschaft allgemein diese vermeintlich unsichtbaren Erkrankungen nicht mehr unsichtbar bleiben müssen, sondern dass wir transparenter mit ihnen umgehen.

“Die nächsten Wochen übergab ich mich jeden Morgen, kurz bevor ich mich auf den Weg zur Uni machte.”

Trauma

Schon im ersten Semester, nach wenigen Wochen Studium, musste ich leider auf dem Weg zur Uni ein sehr unschönes Erlebnis machen. Ich möchte nicht ins Detail gehen. Direkt nach meiner Aussage bei der Kriminalpolizei wurde mir nahegelegt, dass ich mit einem der Seelsorger sprechen solle, die extra für die Zeug:innen gerufen wurden. Ich griff auf das Angebot zurück, ging an diesem Tag nicht in die Uni und versuchte mich abzulenken. Ich lag fast die gesamte Nacht wach und ging dann am nächsten Tag in die Uni. Mich wieder auf den gleichen Weg zu machen, auf dem ich nur einen Tag zuvor etwas Schlimmes erlebt hatte, versursachte Panik in mir. Die nächsten Wochen übergab ich mich jeden Morgen, kurz bevor ich mich auf den Weg zur Uni machte. In der Uni hatten meine Komiliton:innen, die ich ja erst wenige Wochen kannte, alle Verständnis dafür, dass ich bei Gruppenabgaben und Gruppenreferaten keine große Hilfe war. Das hätte aber auch anders laufen können. Ein Dozent von mir hat mir Unterstützung angeboten und meinte, dass ich mir jetzt keine Sorgen um die Uni machen solle und wir eine Lösung finden würden, wenn ich meine Abgaben nicht rechtzeitig erledigen könnte. Am Ende des Semesters hat mir dieser Dozent eine sehr nette Nachricht zum Feedback auf meiner Abgabe geschrieben. Das hat mich sehr berührt und ich habe die Nachricht immer noch.

Das Trauma brachte aber auch in der Uni Schwierigkeiten mit sich. Ich wechselte recht schnell vom Seelsorger zur psychologischen Beratungsstelle des Landkreises, da ich feststellte, dass ich mehr Hilfe benötigte. Dort wurde recht schnell ein schweres Trauma diagnostiziert und die “Aussicht” auf PTBS ins Gespräch gebracht. Ich war über mehrere Monate regelmäßig bei der Beratungsstelle. Wer schon mal mit psychischen Problemen zu tun hatte und sich Hilfe gesucht hat, weiß wahrscheinlich, wie schwer es ist, überhaupt einen Termin zu bekommen. Aufgrund meines Erlebnisses wurde ich als ein so dringender Fall angesehen, dass ich recht leicht und schnell an die Termine kam, allerdings hatte ich nicht viel Wahlmöglichkeiten. Das hieß, dass ich direkt nach dem Termin zur Uni fahren musste. Ab und zu habe ich dann die Bahn verpasst und kam dementsprechend zu spät in die Lehrveranstaltung. Ich wurde zum Glück nie gefragt, warum ich zu spät war. Vor dieser Frage hatte ich ziemlich Angst, denn ich wollte nicht vor recht vielen Menschen sagen müssen, dass ich psychische Probleme hatte und deshalb einen Termin gehabt hatte.

Das Stigma, das mit psychischen Erkrankungen kommt, besteht leider immer noch. Ich habe irgendwann beschlossen, offen darüber zu reden. Trotzdem wollte ich nicht den Ruf haben, dass ich “die mit dem Trauma” war. Die Mischung zwischen Awareness und dem Verlust der Privatsphäre finde ich sehr schwierig.

Selbst jetzt, Jahre später, habe ich noch Probleme aufgrund des Vorfalls. Dass ein paar Minuten das Leben so aus der Bahn werfen kann, hätte ich früher nie gedacht. Ich komme mittlerweile deutlich besser mit allem klar, trotzdem finde ich mich oft in Situationen wieder, die mich an die Zeit damals erinnern und Panik in mir auslösen.

In Bezug auf das Studium habe ich gemischte Erfahrungen gemacht. Durch Konzentrations- und Schlafprobleme sowie die Panik auf dem Weg zur Uni ist mir der Einstieg ins Studium vermutlich schwieriger gefallen als gesunden Menschen. Durch einige Personen habe ich Unterstützung erhalten. Dass es eine Stelle an der Uni für Menschen mit Beeinträchtigungen, zu denen vermutlich auch ich damals gezählt hätte, gibt und dass das Studierendenwerk ebenfalls eine Beratung anbietet, wusste ich damals nicht. Hier hätte ich mir mehr Informationen von der Uni gewünscht. Dumme Kommentare habe ich aber leider auch an der Uni erhalten. Ein Tutor hat mal einen Witz über Traumata gemacht. Gerade von Lehrpersonal, auch wenn es selbst noch Studierende sind, würde ich mir hier einen anderen Umgang mit psychischen Erkrankungen wünschen.

“Ich nutze meine Krankheit nicht als Ausrede.”

 

Asthma & ein hyperreagibles Bronchialsystem

In meiner Schulzeit hatte ich einen Husten, der über Monate nicht wegging. Bei jeder noch so kleinen Anstrengung schien ich keine Luft mehr zu bekommen. Irgendwann überwand ich dann meine Angst vor Ärzt:innen und ging zu meinem damaligen Kinderarzt. Er behauptete, dass es einfach nur “Raucherhusten” sei – dabei hatte ich nie auch nur eine Zigarette geraucht. Nach verschiedenen Tests, die kein Ergebnis brachten, wurde ich an einen Lungenfacharzt verwiesen. Dort konnte ich die Tests teilweise nicht mal richtig machen, da ich dafür zu wenig Luft bekam. Schließlich stand fest: Ich habe Asthma und ein hyperreagibles Bronchialsystem. Asthma dürften wahrscheinlich die meisten kennen. Man bekommt weniger Luft und ist im Normalfall immer mit einem Inhalator unterwegs. Für mich hat das bedeutet, dass sich mein Alltag ziemlich verändert hat. Statt dreimal pro Woche Sport zu machen bekomme ich nun fast keine Luft mehr, wenn ich eine Treppe in für andere Personen normalen Tempo hochgehe. Mein hyperreagibles Bronchialsystem bedeutet vereinfacht gesagt, dass ich bei zu kalter Luft, aber auch Rauch, Deo und Parfüm starke Hustenanfälle und teilweise gar keine Luft mehr bekomme.

Wenn ich meine körperliche Leistung nicht gerade vollkommen überschätzt habe und meinen Inhalator in der Hand halte, sieht man mir meine Krankheiten nicht an. Was man aber sieht, sind die Schritte, die ich mache, um eben keine Atemnot zu bekommen. Da meine Lunge gerade bei Treppen nicht ganz mitmachen möchte, nehme ich für nahezu alle Wege in höher gelegene Stockwerke den Aufzug. Das führt leider auch zu sehr unangenehmen Situationen, wenn ich nicht alleine im Aufzug bin. Wenn der Aufzug schon nach zwei Etagen anhält, bekomme ich oft mit, dass Menschen die Augen verdrehen oder mir Blicke zuwerfen. Einmal habe ich auch gehört, wie jemand mich als faul bezeichnet hat, nachdem ich gerade ausgestiegen war. Das nervt mich, denn ich bin sicherlich kein fauler Mensch und würde gerne wieder wie früher Sport machen. Hätte ich ein gebrochenes Bein, würde vermutlich (oder zumindest hoffe ich das) niemand etwas zu mir sagen oder mich verurteilend ansehen. Da ich aber eine unsichtbare Krankheit habe, scheint niemand daran zu denken, dass ich nicht faul, sondern einfach gesundheitlich eingeschränkt sein könnte. Mir ist klar, dass das nicht unbedingt die naheliegendste Erklärung ist, gerade wenn man sich mit Lungenkrankheiten nicht auskennt, aber ich finde, man sollte nicht so schnell verurteilen.

Ein ebenfalls eher unschöner Nebeneffekt meiner unsichtbaren Krankheit ist, dass jede:r plötzlich zum Arzt beziehungsweise zur Ärztin wird. Wenn ich jemandem erkläre, warum ich zum Beispiel nicht die Treppe in den vierten Stock nehme oder nicht mit dem Fahrrad den Berg hochfahren kann, erhalte ich oft Antworten wie: “Aber mein Cousin hat auch Asthma und kann ganz normal atmen” oder “Ich habe auch Asthma und gehe oft joggen”. Ich nutze meine Krankheit nicht als Ausrede. Im Gegenteil: Ich wurde aufgrund meiner Krankheit im Schulsport befreit und habe es trotzdem noch sehr lange mithilfe des Asthma-Sprays versucht, aber letztendlich wurde mir davon abgeraten, da ich zu sehr auf das Spray angewiesen war. Trotzdem scheinen es alle besser zu wissen. Dass sich Asthma nicht bei jeder Person gleich auf den Alltag auswirkt, scheint vielen nicht bewusst zu sein. Auch an der Uni habe ich mir oft anhören müssen, dass Person XY aber gar kein Problem damit hätte.

Wie zuvor erwähnt, wirkt sich das hyperreagible Bronchialsystem so aus, dass ich bei unter anderem Rauch stark husten muss und keine Luft mehr bekomme. Da ich in meinem privaten Umfeld kaum Raucher:innen habe, ist das kein Problem. Schwierig wird es hauptsächlich, wenn ich in die Uni gehe. Es fängt meistens schon auf dem Weg zur Uni an, wenn ich am Bahnsteig stehe und trotz Rauchverbots jemand neben mir raucht. Ich gehe dann zwar weiter weg, aber zumindest an meiner Haltestelle scheint es recht viele Raucher:innen zu geben, sodass ausreichend viel Abstand manchmal gar nicht mal so leicht möglich ist. Wenn ich dann an der Uni angekommen bin, geht es meistens direkt weiter. Obwohl die Aschenbecher extra ein Stück von der Tür entfernt angebracht sind und an den Türen teilweise sogar darauf verwiesen wird, dass man nicht direkt an den Ein- und Ausgängen rauchen soll, stehen sehr oft Raucher:innen direkt vor der Tür. Das heißt, dass ich durch den Rauch gehen muss, wenn ich das Gebäude betreten oder verlassen möchte. Auch wenn man es schon respektieren sollte, dass manche Menschen einfach nicht nach Rauch riechen wollen, glaube ich, dass es vielen einfach nicht bewusst ist, dass es nicht nur um den Geruch geht. So betrete ich die Uni oft hustend, was natürlich in der Pandemie schlecht geht und auch vor der Pandemie schon unangenehm war.

 

“Ich sei zu jung, um krank zu sein.”

 

Depression und Angststörung

Ich wurde mittlerweile vor sieben Jahren zum ersten Mal mit einer depressiven Episode und sozialer Phobie diagnostiziert. Seitdem ich angefangen habe zu studieren bin ich wieder regelmäßig in Therapie und nehme Antidepressiva. Trotzdem sieht mein Alltag sieht leider etwas anders aus als der ‚normaler‘ Studierender. Oder zumindest als das was als normal angesehen wird.

Manchmal fühlt es sich so an, als würde ich von außen allen anderen zusehen wie sie ihr Leben so viel besser als ich hinbekommen. Oft höre ich: Ist alles okay? Bist du wieder traurig heute? Dabei ist Depression so viel mehr als Traurigkeit.

Es kann bei verschiedenen Personen ganz unterschiedlich aussehen. Bei mir sind es schlaflose, panische Nächte und tagsüber keine Kraft zum Aufstehen. Das Gefühl, dass es sowieso keinen Zweck hätte. Jetzt zu Beginn des Präsenz-Semesters Bauchkrämpfe, Übelkeit vor den Vorlesungen. Keine Luft mehr kriegen. Angst vor jedem neuen Tag.

Die Online-Semester haben ein bisschen geholfen, es war nur ein Klick in die Vorlesung und nicht eine Menge an Personen, die alle über dich urteilen könnten. Andererseits saß man auch allein vor dem Stoff, bis man das Gefühl hatte überrollt zu werden und unterzugehen.

Stress und Druck des Studiums verstärken die Symptome und ich versuche weiter zu leisten, damit niemand merkt, dass ich mit mehr zu kämpfen habe als mit dem Stoff. Ich kann mir gar nicht vorstellen wie es ohne das alles wäre.

Wenn man nicht in den Spiegel schaut und jemand Fremden sieht. Wenn da wo Lachen sein sollte, Leere ist. Das weiße Blatt stürzt mich wieder in einen Strudel, ein Loch aus ‚das schaffe ich nicht, das kann ich nicht‘. Immer wieder einen Satz lesen und trotzdem nichts verstehen. Nebel im Kopf. Es vergeht so viel Zeit bis ich mich wieder kräftig genug fühle, um einen normalen Tag in Angriff zu nehmen. Schwächeanfälle und Panikattacken.

Gedanken wie: Warum kann ich nicht einfach auch? Was ist so schwer daran sich zu konzentrieren? Oder den Stift zu heben?

Letztes Semester habe ich mir vorgegaukelt, dass das geht und indirekt dafür gesorgt, dass alles viel schlimmer geworden ist. Ich habe zu viele Kurse belegt, super Noten geschrieben, war immer vorbereitet. Leider stieß ich oft Dozenten*innen, die betonen, dass es anderen noch schlechter gehe. Ich sei zu jung, um krank zu sein. In Seminaren teilweise alte, beleidigende Begriffe für psychische Krankheiten benutzten.

Oder die denken, sie könnten mir ganz genau vorschreiben, wie ich mich fühlen dürfte.

Genau deswegen brauchen wir so dringend Aufklärung für psychische, Aufklärung für unsichtbare Krankheiten. Man weiß nie, was das Gegenüber gerade durchmacht und Floskeln wie: Alles nicht so schlimm; bist du sicher, dass du krank bist; die anderen schaffen es doch auch, können viel mehr Schaden anrichten als man denkt.

Irgendwann muss ich es akzeptieren. Ich brauche viel mehr Zeit als die meisten anderen. Urlaubssemester, Nachteilsausgleiche, weniger Pensum– das ist alles in Ordnung und ich darf davon Gebrauch machen. Wichtig ist, dass es mir gut geht. Und manchmal helfen sogar die Dozenten*innen auch, wie erst vor ein paar Wochen. Eine Dozentin versicherte mir, dass meine Gesundheit das Wichtigste sei und wir die Prüfung schon irgendwie hinbekämen.

Immer wieder wünschte ich, dass das mehr Leute verstehen würden. Dass das Studium nicht vor der eigenen Gesundheit stehen sollte.

 

“Dass du einfach anfangen musst zu weinen, ja, auch während der Uni.”

 

Meja, 22, Hochsensibilität

Mein Name ist Meja und ich bin 22 Jahre alt. Das bedeutet ich lebe seit 22 Jahre mit meiner persönlichen Hochsensibilität.

Was bedeutet Hochsensibilität und warum meine eigene Persönliche?

Vorab Hochsensibilität ist keine Krankheit, sondern wird eher als Persönlichkeitsmerkmal erfasst, dass im Gehirn zugrunde liegt. In meinem Kopf sind bestimmte Bereiche stärker ausgeprägt und vernetzt. Ich als hochsensibler Mensch nehme also viel mehr Reize und Emotionen wahr als andere. Daher auch meine persönliche Hochsensibilität – jeder hochsensible Mensch reagiert empfindlicher auf bestimme Situationen, es gibt also viele verschiedene Ausprägungen. Manche fühlen sich eher verbunden mit der Natur, andere den Tieren, ich den Menschen.

Diese Reizüberflutungen haben auch beträchtliche Nachteile im Leben und vor allem auch im Uni Leben.

Okay, wir versetzen uns jetzt gemeinsam in den Alltag meiner persönlichen Hochsensibilität , ich lasse euch jetzt also sehr nah an mich heran:

Guten Morgen, ich hoffe du hast gute geschlafen – Nein hast du nicht. Du bist hochsensibel, du schläfst so gut wie nie gut. Alpträume gehören zu deinem Leben, Alpträume, die sich unheimlich echt anfühlen. Sie verfolgen dich oft innerlich noch den ganzen Tag, also auch in deinen Vorlesungen in der Uni. Immer wieder musst du daran denken. Denken gehört so oder so in dein Leben. Du denkst den ganzen Tag viel zu viel und machst dir auch oft Gedanken über sehr belastende Dinge, die dir furchtbar weh tun. Zwangsgedanken, gehören also auch zu deinem Leben. Manchmal sind sie so schmerzhaft laut, dass du einfach anfangen musst zu weinen, ja, auch während der Uni. Es ist okay, du lebst mittlerweile gut damit, schön ist es trotzdem nicht. Stuttgart ist dir ständig zu laut. Bahnfahren ist für die meisten nervig, für dich aber ganz besonders. Dein Kopf kann nichts filtern. Während alle außen herum also schon längst das Klicken der Bahn oder das laute Atmen des Opas ausblenden konnten, überfordern dich die vielen Geräusche und Gerüche der Menschen. Parfüm riecht für dich nicht angenehm, es stört dich. Zudem du jeden Geruch unmittelbar mit Ereignissen in deinem Leben verbunden hast, Gute und Schlechte. Bei Zara Man wirst du also gereizt, weil es dich an deinen hirnlosen Exfreund erinnert und bei Hugo Boss Orange musst du weinen, weil du weißt, dass du es an deinem Vater nie wieder riechen kannst. Also einige Faktoren, warum dein Tag schon unheimlich anstrengend ist. Menschenmengen sind also unheimlich belastend und auch körperlich sehr anstrengend. Du bekommst an sehr hochsensiblen Tagen immer Ohrenschmerzen, das hat deine Psyche als Ausgleich geschaffen. Am Hauptbahnhof angekommen, erstmal tief durchatmen und Richtung Uni laufen. Kein Problem, wenn da nicht diese eine Sache wäre. Du kannst die Emotionen anderer an deinem eigenen Leib spüren. Du fühlst den Schmerz, der Welt auf eine eigene besondere Weise. Du bist mittlerweile so gut darin, dass du manchmal ganz genau weißt, was Personen durchmachen müssen. Also mit den Schmerz anderer Menschen im Herzen bist du bei der Uni angekommen. Normalerweise kannst du hier jetzt ein wenig entspannen, weil du deine Freunde um dich hast. Heute schreibst du aber eine Prüfung, was dich in Angst versetzt. Unsicherheit gehört unmittelbar zur Hochsensibilität. Es ist ein großes ausgeprägtes Merkmal der Hochsensibilität und du hast es natürlich noch ausgeprägter als andere. Das kommt von deinen Erfahrungen als Kind. Du warst immer anders und das hat man dir klargemacht. Alle haben dir das klargemacht, Eltern, Lehrer und Freunde. Du warst nie gut genug für die Systeme in der Schule und für deine eigene Familie. Dein Weinen wurde mit „sei nicht so sensibel“ oder mit Bestrafungen abgetan. Du wurdest bestraft für das was du bist. Keiner hat deine Hochsensibilität gesehen, weil niemand davon je gehört hatte oder es geglaubt hätte. Du bist also mit dem Gedanken, dass du falsch bist, anders, defekt, kaputt und für niemanden gut genug, aufgewachsen. Einen Schmerz den dich deine Unsicherheit nie vergessen lässt. Niemand hat dir gesagt, dass du toll und besonders bist. Auch deine Eltern nicht. Du hast Sicherheit also nie kennengelernt. Also auch das System Uni ist nicht für deine Denkweise und Wesenszüge, du musst dich also immer anpassen. Eine Prüfung ist schwer für dich, du hörst ständig Menschen um dich herum atmen und jedes Geräusch lenkt dich ab. Panik überkommt dich regelmäßig und du fängst an, an dir zu zweifeln. Du bist so ein Wunderwesen und vertraust deinen Fähigkeiten trotzdem nicht.

Klausur abgegeben fühlst du dich schuldig – du warst bestimmt zu schlecht. Schuldig fühlst du dich so oder so zu oft und zu schnell. Emotionen hängen dir tagelang nach. Damit wird Eifersucht oder ein Streit für dich um einiges schmerzhafter, weil das oft deine Zwangsgedanken triggern. Zwangsgedanken beinhalten unheimlich schmerzhafte Gefühle und Beeinträchtigungen im Unileben, wie auch im Leben allgemein. Oft führen sie zu noch mehr Alpträumen oder Gedanken, die dich nicht einschlafen lassen. Du bist ständig müde, weil dein Gehirn viel intensiver denkt und fühlt, den nötigen Schlaf um das auszugleichen kannst du nicht bekommen. Das ist von außen alles nicht erkennbar. Niemand versteht wirklich was es bedeutet, immer alles zu fühlen und alles zu sehen. Du bist unheimlich aufmerksam dir fällt jedes Detail auf. Aber das kann einsam sein. Du erkennst jeden so wie er ist – dich sieht niemand wie du wirklich bist. Du fühlst dich also oft übersehen und sehr klein in dieser Welt , in der Uni Welt. Das trägst du alles hinter deinem lebensfrohen Du, ja du bist trotz all dem sehr lebensfroh.

Hier also auch ein paar Vorteile, es ist nicht deine Art nur negativ zu denken oder zu schreiben:

Du kannst durch deine Begabung nämlich viele coole Dinge. Du hörst alles, was dich oft zu lustigen Vorteilen bringt. Du fühlst alles – du weißt also, wie du Menschen zum Lächeln bringen kannst. Durch die Fähigkeit Mimik, Gestik und Tonlage sehr schnell zusammenfügen zu können, hast du oft einen großen Vorteil bei Menschen, die du das erste Mal triffst; du weißt immer mehr über sie als sie über dich. Du fühlst Glück, Liebe und Freiheit tief in dir und die Wärme der Sonne reinigt deinen emotionsgeladenen Tag, obwohl du sehr lichtempfindlich bist. Du magst nachts Autofahren nicht so sehr, weil die Lichter der anderen Autos in deinen Augen brennen. Du reagierst eben auf jeden Reiz extrem stark.

Das Unileben hält also leider genauso wenig Rücksicht für dich bereit, wie das Schulleben, aber du bist groß geworden und hast herausgefunden wer du bist. Und mittlerweile ist deine Hochsensibilität auch deine Superkraft; du machst nämlich anderen das Unileben mit deiner magischen Art leichter. Also auch, wenn du aufpassen musst nicht ständig zu Tagträumen während der Uni zu neigen und abends dein Erlebtes vom Alltag noch wirklich lange nachklingt , hast du deinen Weg gefunden.

Was kann ich euch also mitgeben? Mein Leben ist schwer und immer voller Belastungen. Das bin ich. Ich bin trotzdem immer fröhlich. Tod und Verlust muss ich schmerzhafter ertragen, Liebe und Lachen darf ich intensiver spüren. Es gibt also immer etwas besonders an eurer Krankheit. Ihr seid alle etwas ganz besonderes, ich weiß die Uni kann schwer sein, das Leben kann schwer sein, aber ich glaube an euch und vor allem – ICH SEHE EUCH-.

In Liebe Meja

IG: mejabu99 schreibt mir gerne, falls ihr Fragen habt (ich konnte hier nicht alle Elemente niederschreiben, das wäre zu lang geworden) und falls ihr vielleicht auch hochsensibel seid oder es nicht wisst, meldet euch. Ihr habt ein Zuhause auf dieser Welt!