Informationen zu sexueller Belästigung und Gewalt

Ansprechpersonen:

Universität:

Christine dos Santos Costa
Ansprechpartnerin bei sexueller Belästigung
+49 711 685-66468
costa@gkm.uni-stuttgart.de


Klaus Dirnberger
Ansprechpartner bei sexueller Belästigung
+49 711 685-64437
klaus.dirnberger@ipoc.uni-stuttgart.de

stuvus:

Ansprechstelle bei sexueller Belästigung: awareness@stuvus.uni-stuttgart.de
Referat für Gleichstellung, Diversity und Soziales: referentin-gleichstellung@stuvus.uni-stuttgart.de

Was ist sexuelle Belästigung?

Sexuelle Belästigung ist stets einseitiges Verhalten, das sich grundlegend von Flirts oder Komplimenten unterscheidet. Maßgeblich ist, dass die Handlungen unerwünscht sind, sowie die Würde der betroffenen Person verletzt und von dieser als unangenehm und oder respektlos empfunden wird. Es können verbale, non-verbale oder körperliche sexualisierte Handlungen sein - von verbalen Anzüglichkeiten in der alltäglichen Kommunikation bis hin zu strafrechtlich relevanten Tatbeständen! Wenngleich alle Personen gleicher­maßen betroffen sein können, sind Betroffene de facto überwiegend Frauen. Formen der sexuellen Belästigung können z.B. sein:

  • Anzügliche oder zweideutige Bemerkungen über Aussehen und Kleidung,
  • Bemerkungen und Witze sexuellen Inhalts,
  • Verbreitung oder Zurschaustellung pornographischer Abbildungen oder Texte, sofern diese nicht wissenschaftlichen Zwecken dienen,
  • Unerwünschte Geschenke,
  • permanente unerwünschte Kontaktaufnahme,
  • Auflauern und/oder unerwünschte Einladungen mit eindeutiger Absicht,
  • Annäherungsversuche mit dem Versprechen von Vorteilen oder dem Androhen von Nachteilen,
  • Unerwünschte Körperkontakte oder die Aufforderung zu diesen,
  • Sexuell motiviertes Stalking,
  • Sexuelle Übergriffe,
  • Nötigung oder Vergewaltigung.

Strafrechtlich relevant sind in Deutschland z.B. Stalking, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung.

Sexuelle Belästigung an der Universität Stuttgart (Rechtliche Grundlagen)

In allen gesellschaftlichen Kontexten, vor allem aber am Arbeitsplatz, kann es vorkommen, dass Personen von sexueller Belästigung betroffen sind. Im Bewusstsein der meisten Studierenden und ihrer Mitglieder gilt die Hochschule als ein Ort des aufgeklärten, emanzipierten Miteinanders, wo es Vorkommnisse wie sexuelle Übergriffe nicht geben kann. Die Universität ist aber nicht weniger ein Ort solcher Belästigungen als andere gesellschaftliche Bereiche. Durch ihre hierarchische Struktur können bestehende Abhängigkeitsverhältnisse ausgenutzt und so Grenzverletzungen und unangemessene Annäherungsversuche ermöglicht werden. Häufig ist eine Abwehr von Übergriffen schwierig, da sie als absichtslose Handlungen getarnt und bei einer Konfrontation jederzeit geleugnet bzw. als Phantasie der Belästigten oder Missverständnis abgetan werden können. Betroffene, die sich wehren, müssen außerdem in vielen Fällen negative Auswirkungen fürchten, wie Anfeindungen, Schikanen oder Benachteiligungen. So werden sie zu doppelt benachteiligt. Das gilt es zu verhindern. Der Schutz vor sexueller Belästigung ist für Beschäftigte seit 2006 im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) rechtlich geregelt. Für Studierende ist dieser Schutz im Landeshochschulgesetz in §4a geregelt. Umgesetzt wird das Recht an der Universität Stuttgart durch eine Richtlinie zum Umgang mit Fällen sexueller Belästigung vom 12.02.2016. Hier verpflichtet sich die Universität Stuttgart, gegen jedweden Fall sexueller Belästigung vorzugehen sowie die Betroffenen zu beraten und vor weiterer Belästigung zu schützen. Damit sind Studierende genauso vor Belästigung von Mitarbeitenden der Universität, als auch von anderen Studierenden geschützt.

Was sind die Folgen für Betroffene?

Sexualisierte Diskriminierung führt oft zu:

  • Schamgefühlen
  • häufigen Fehlzeiten
  • Stresserleben, Verunsicherung, Angst
  • Vermeiden bestimmter Situationen und Orte
  • niedriges Selbstbewusstsein in Bezug auf eigene Leistung und Selbstzweifel
  • Leistungsminderung

Noch gravierender ist die Erfahrung, wenn die unerwünschten Annähe­rungsversuche mit Andeutungen oder Versprechen von Vorteilen bei sexuellem Entgegenkommen begleitet sind oder von Androhungen negativer Auswirkungen im Fall von Verweigerung. In besonders schweren Fällen führt sexuelle Diskriminierung und Gewalt zu:

  • Arbeitsplatz verlassen/Studienabbruch bzw. der Wunsch danach
  • beeinträchtigte psychische Gesundheit
  • beeinträchtigte körperliche Gesundheit

Was gibt es für Maßnahmen und Konsequenzen für belästigende Personen?

Sexuelle Belästi­gungen sind Dienstpfichtverletzungen und Dienstvergehen, die diszipli­narrechtliche Maßnahmen zur Folge haben können. Dies gilt für belästigende Studierende genauso wie für Angestellte der Universität. Mögliche Maßnahmen können zum Beispiel sein:

  • ein formelles Dienstgespräch mit der belästigenden Person,
  • eine mündliche oder schriftliche Belehrung,
  • eine schriftliche Abmahnung,
  • eine Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz innerhalb oder außerhalb der Universität
  • Ausschluss aus einer Lehrveranstaltung,
  • Ausschluss von der Nutzung universitärer Einrichtungen,
  • Hausverbot,
  • Exmatrikulation,
  • Fristgerechte oder fristlose Kündigung,
  • Einleitung eines Disziplinarverfahrens und Verhängung von Disziplinarmaßnahmen (Verweise, Geldbußen, Gehaltskürzungen, Zurückstufung und Entfernung aus dem Dienst)

Insbesondere zu beachten ist auch, dass das Erzwingen von sexuellen Handlungen, tätliche Bedrohung, körperliche Gewalt, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung Straftatbestände sind. Hier kann es zur Strafanzeige durch den Rektor/die Rektorin der Universität kommen.

Was können Betroffene tun?

Aus Unsicherheit und Angst, als prüde, empfindlich oder humorlos zu gelten, verleugnen oder beschönigen viele Betroffene sexuelle Belästigung. Auch die Angst, Nachteile bei der Bewertung zu bekommen, führt dazu, lieber nichts zu sagen. Nichts zu sagen und Übergriffe zu ignorieren ist die ineffektivste Art, mit sexueller Belästigung umzugehen und wird dazu von Belästigenden in aller Regel als Zustimmung gewertet. Daraus kann sich ein Verlauf entwickeln, bei dem der*die Belästigende sich immer mehr Grenzüberschreitungen anmaßt. Manchmal denken Betroffene dann, dass sie selbst an den Handlungen Schuld trügen, weil sie sich nicht gewehrt haben. Oft sind jedoch auch schlagfertige oder scherzhafte Entgegnungen wenig erfolgreich. Betroffene sollten mit deutlichen Worten klare Verhältnisse schaffen, sich bewusst machen, dass sie kein Einzelfall und auch nicht selbst schuld daran sind!

  • Warte nicht darauf, dass das Fehlverhalten von allein aufhört!
  • Jede*r Einzelne hat das Recht, eigene Grenzziehungen zu signalisieren und zu kommunizieren. Diese müssen von allen Beteiligten respektiert und berücksichtigt werden.
  • Traue dich, dir Hilfe zu holen! Sprich mit Menschen in deinem Umfeld darüber und wende dich an die zuständigen Beratungsstellen.
  • Dokumentiere sexuelle Belästigungen zeitnah und schriftlich, mit Angabe von Ort, Zeit, Umständen und mit wem du darüber bereits gesprochen hast.
  • Habe keine Angst vor negativen Konsequenzen! Nur diese Angst gibt der Täterin oder dem Täter so viel Macht.

An wen könnt ihr euch wenden?

Ihr könnt euch immer an die Beauftragen bei sexueller Belästigung der Universität wenden und dabei sicher sein, dass alle eure Angaben vertraulich behandelt werden. Zunächst kann man ein unverbindliches beratendes Gespräch führen. Ohne eure Zustimmung werden keine Schritte unternommen! Welche Maßnahmen ihr ergreifen möchten, entscheidet allein ihr selbst. 

Vielleicht fällt es euch leichter, euch im ersten Schritt an andere Studierende zu wenden. Dann könnt ihr gerne die Ansprechpersonen der stuvus kontaktieren. Hier habt ihr die Möglichkeit von Studi zu Studi, Hilfe zu bekommen. Auch wir behandeln euer Anliegen natürlich vertraulich. Ihr erreicht uns unter folgender E-Mail Adresse: awareness@stuvus.uni-stuttgart.de . Wenn ihr dabei anonym bleiben möchtet, schreibt einfach von einer Fake-Mail Adresse.

Wie kann ich Betroffene Unterstützen?

Es gibt keine allgemein gültige Frage auf diese Antwort. Je nachdem, in welcher Beziehung du zu der Person stehst, kann sie unterschiedlich ausfallen. Aus Unsicherheit und Angst, als prüde, empfindlich oder humorlos zu gelten, verleugnen oder beschönigen viele Betroffene aber sexuelle Belästigung. Wer die betroffene Person unterstützen möchte, sollte sich dies ins Gedächtnis rufen und der betroffenen Person widerspiegeln, dass sie kein Einzelfall ist und auch nicht selbst daran schuld trägt. Die Leuphana Universität bietet einige Materialien, die bei einem unterstützenden Gespräch hilfreich sein können.

Wie schaffe ich in meinem Umfeld Bewusstsein?

Wenn du es mit dem Lesen bis hierhin geschafft hast, hast du den ersten Schritt geschafft, und dich selbst mit sexueller Diskriminierung und Gewalt auseinandergesetzt. Das bedeutet schon mal viel Mut und ist hoffentlich ein guter Einstieg in die Thematik für dich. Informationen zu dem Thema gibt es nämlich genug. 

Diese drei Ratschläge hat die Leuphana Universität noch für dich:

  1. Diskriminierende und gewalttätige Handlungen und diskriminierende Inhalte als solche benennen und zum Thema machen

Es braucht eine beständige Auseinandersetzung mit den Kennzeichen sexualisierter Diskriminierung und Gewalt. Um Handlungssicherheit bei der Konfrontation mit unangemessenen Handlungen zu gewinnen, ist es notwendig, gut vorbereitet zu sein. 

  • Informationen zu Kennzeichen von sexualisierter Gewalt findet du hier.
  • Diese englischsprachige Broschüre enthält eine Liste von Mythen über sexualisierte Diskriminierung und Gewalt sowie Argumentationshilfen dagegen (ab S. 65).
  • Reaktions- und Verhaltenstipps für Zeug*innen diskriminierender Handlungen am Arbeitsplatz findest du in dieser Broschüre der Stadt Wien(ab S. 11).
  • Einstufung alltäglicher Situationen von der University of Manchester "Where Do You Draw The Line?". 

2. Sich einlesen und anderen von den Erkenntnissen berichten

3. Sich einer Gruppe anschließen/ sich fachlich dazu vernetzen & austauschen

Um das eigene Bewusstsein zu schärfen und um für Gespräche zum Thema gut ausgestattet zu sein, empfiehlt es sich, sich mit anderen regelmäßig auszutauschen. Es gibt an der Uni Stuttgart zum Beispiel folgende Gruppen, Arbeitskreise u.ä.:

  • Referat für Gleichstellung, Diversity und Soziales der stuvus
  • Hochschulgruppen:
    • Young WILPF ( Womens International League for Peace and Freedom)

(Du arbeitest selbst bei einer Gruppe, die zu dem Thema arbeitet? Dann schreib uns doch gerne und wir nehmen deine Gruppe in dieser Liste auf)



Ein großes Dankeschön an ©batski für das Erstellen der Porträts.