Let´s talk about Racism@ Uni Stuttgart

1. Begriffsdefinitionen

  • Rassismus: Es gibt nicht die eine richtige Definition zu Rassismus. Hier sind nun drei unterschiedliche Definitionen aufgeführt. Alle zeigen, dass zu Rassismus nicht einfach die Unterscheidung nach Hautfarbe gehört, sondern ein damit einhergehendes Gedankenkonstrukt, wonach eine Personengruppe einer anderen überlegen ist.

Duden [1]:

  1. (meist ideologischen Charakter tragende, zur Rechtfertigung von Rassendiskriminierung, Kolonialismus o. Ä. entwickelte) Lehre, Theorie, nach der Menschen bzw. Bevölkerungsgruppen mit bestimmten biologischen oder ethnisch-kulturellen Merkmalen anderen von Natur aus über- bzw. unterlegen sein sollen
  2. dem Rassismus (1) entsprechende (bewusste oder unbewusste) Einstellung, Denk- und Handlungsweise
    1. dem Rassismus (1) entsprechende institutionelle, gesellschaftliche o. ä. Strukturen, durch die Menschen diskriminiert werden
    2. dem Rassismus (1) entsprechende systematische Unterdrückung von Menschen

Die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz [2]:

Rassismus  ist die Überzeugung, dass ein Beweggrund wie Rasse[*], Hautfarbe, Sprache, Religion, Staatsangehörigkeit oder nationale oder ethnische Herkunft die Missachtung einer Person oder Personengruppe oder das Gefühl der Überlegenheit gegenüber einer Person oder Personengruppe rechtfertigt.

[*] Da alle Menschen der gleichen Gattung angehören, lehnt ECRI Theorien ab, die sich auf die Existenz verschiedener „Rassen“ gründen. In dieser Empfehlung verwendet ECRI jedoch diesen Begriff, um sicherzustellen, dass die Menschen, die allgemein und fälschlicherweise als Angehörige einer „anderen Rasse“  bezeichnet werden, nicht vom Schutz der Gesetzgebung ausgeschlossen werden.

Soziologe Albert Memmi [3] (allgemeine, in der Rassismusforschung anerkannte Definition):

Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen“– Memmi, S. 103 u. 164[42][45][46][47]

  • Schwarze Menschen ist eine Selbstbezeichnung und beschreibt eine von Rassismus betroffene gesellschaftliche Position. „Schwarz wird großgeschrieben, um zu verdeutlichen, dass es sich um ein konstruiertes Zuordnungsmuster handelt und keine reelle‘ Eigenschaft‘, die auf die Farbe der Haut zurückzuführen ist. So bedeutet Schwarz-Sein in diesem Kontext nicht, einer tatsächlichen oder angenommenen ‚ethnischen Gruppe‘ zugeordnet zu werden, sondern ist auch mit der gemeinsamen Rassismuserfahrung verbunden, auf eine bestimmte Art und Weise wahrgenommen zu werden.“ [4]
  • Weiß“ und „Weißsein“ bezeichnen ebenso wie „Schwarzsein“ keine biologische Eigenschaft und keine reelle Hautfarbe, sondern eine politische und soziale Konstruktion. Mit Weißsein ist die dominante und privilegierte Position innerhalb des Machtverhältnisses Rassismus gemeint, die sonst zumeist unausgesprochen und unbenannt bleibt. Weißsein umfasst ein unbewusstes Selbst- und Identitätskonzept, das weiße Menschen in ihrer Selbstsicht und ihrem Verhalten prägt und sie an einen privilegierten Platz in der Gesellschaft verweist, was z.B. den Zugang zu Ressourcen betrifft. [5]
  • PoC: Der Begriff People of Color (im Singular Person of Color) ist eine Selbstbezeichnung von Menschen, die Rassismus erfahren.[6]

Natürlich wäre es uns lieber, wir wären bereits an einem Punkt, wo auch, wenn mit den Begriffen gesellschaftliche Gruppen, keine biologischen Attribute gemeint sind, wir ganz ohne diese Benennung auskommen könnten. Doch es ist schwierig, Rassismus zu erklären ohne dabei die Probleme, die zu Rassismus führen, zu benennen.

2. Historie

Das Konzept des Rassismus ist noch relativ jung. Doch was wissen wir eigentlich über die deutsche Kolonialgeschichte? Oder die rassistischen Ideologien in der NS Zeit? Um zu verstehen, wie auch unser Denkmuster von rassistischen Motiven geprägt sind, ist es wichtig, sich auch über die historischen Hintergründe im Klaren zu sein. Eine Auffrischung und Ergänzung des Geschichtsunterrichts in der Schule zeigen folgende Artikel und Beiträge:

https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/213678/was-ist-eigentlich-rassismus

3. Rassismus oder Ethnopluralismus?

Biologisch ist übrigens widerlegt, dass es unter Menschen Rassen gibt. Dafür sind die Unterschiede in den Genen viel zu gering. Folgende Beiträge bestätigen das:

https://www.quarks.de/gesellschaft/darum-ist-die-rassentheorie-schwachsinn/

https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/menschenrassen/42123

Doch längst wurden neue Ideologien entwickelt, um Menschen ideologisch abzuwerten. Ethnie und Kultur werden in der neuen rechten Szene als Grund für den Ausschluss und die Erniedrigung von Menschen genutzt. Das wird unter dem Begriff des Ethnopluralismus zusammengefasst. Welche neuen und alten Konzepte dahinterstecken, werden in folgenden Artikeln erklärt:

https://www.tagesschau.de/faktenfinder/hintergrund/rassismus-113.html

https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/230862/transkript-zum-ethnopluralismus

https://www.demokratie-leben.de/wissen/glossar/glossary-detail/ethnopluralismus.html

4. Rassismus in Deutschland und anderen Ländern

Ja, Deutschland ist nicht die USA und Rassismus kann sich überall anders äußern. Doch worin genau liegen die Unterschiede? Liegt es an der im Vergleich zu anderen europäischen Staaten kürzeren Kolonialgeschichte Deutschlands? Ist es der strukturelle Rassismus, der bei uns anders ist?  -z.B. weil die deutsche Polizei eine bessere Ausbildung zur Deeskalation hat. Oder liegt es auch daran, wie in Deutschland über Rassismus geredet wird?

Eine Guten Beitrag zu diesem Thema liefert die Bundeszentrale für politische Bildung:

https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/213691/warum-ist-es-so-schwer-von-rassismus-zu-sprechen

5. Fazit und wieso wir alle Rassismus persönlich nehmen sollten

Wir erheben mit dieser Sammlung an Informationen keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Rassismus ist in seinen Erscheinungsformen vielschichtig. Und er beeinträchtigt das Leben betroffener. Deshalb sollten wir uns alle mit Rassismus auseinandersetzen. Warum wir Rassismus sogar persönlich nehmen sollten erklärt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International auf ihrer Website:

https://www.amnesty.de/2017/3/1/warum-wir-alle-rassismus-persoenlich-nehmen-sollten

Ein erster Schritt, um Rassismus zu bekämpfen ist, darüber zu reden. Wir möchten unseren Studierenden deshalb eine Stimme geben. Unter dem Motto „Let´s talk about Racism@Uni Stuttgart“ teilen wir ihre Erfahrungen mit Rassismus.

Andere Plattformen machen das bereits:

https://www.deutschlandfunk.de/rassismus-als-bildungsthema-niemand-will-darueber-reden.680.de.html?dram:article_id=478015

https://www.sueddeutsche.de/thema/Alltagsrassismus

https://www.amnesty.de/kampagne-gegen-rassismus-deutschland

6. Quellen

[1] https://www.duden.de/rechtschreibung/Rassismus

[2] https://rm.coe.int/09000016808b5aae

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus#Rassismusdefinition_nach_Albert_Memmi

[4] https://www.amnesty.de/2017/3/1/glossar-fuer-diskriminierungssensible-sprache

[5] https://weranderneinenbrunnengraebt.wordpress.com/glossar/

[6] https://www.diversity-arts-culture.berlin/woerterbuch/poc-person-color

Eure Beiträge

Beitrag Nr. 1 vom 02.10.20

Ich habe mich viel mit dem Thema Rassismus und Eugenik beschäftigt. Da ich selbst einen in der Türkei geborenen Vater habe, ist dies für mich vielleicht auch ein Stück weit eine persönliche Geschichte. Die Herkunft meines Vaters jedoch kann man eigentlich nur durch meinen Nachnamen erfahren, und auch nur dieser wird Opfer von rassistischen oder fremdenfeindlichen Äußerungen.

Ich bin geboren und aufgewachsen im Landkreis Esslingen, als kleine Anmerkung hierzu, in einer Gemeinde, in der es so gut wie keine wirkliche ausländische Community gab, bis 2015 dort ein Heim für geflüchtete Menschen eröffnet wurde. Vielleicht auch deswegen, habe ich Rassismus in meiner Gemeinde selbst bis vor 5 Jahren kaum wahrgenommen.

Seitdem dieses Heim existiert jedoch, muss man leider akzeptieren, dass die Gemeinde meiner Kindheit keine Ausnahme bildet. Ja es könnte schlimmer sein – allerdings ist jedes einzelne gesagte „Schwarzwälder“, eines zu viel.

Und dieses Wort und die Gerüchte bei jeder Straftat in meiner Gemeinde, es sei einer der Einwohner des Heimes gewesen, habe ich zu oft vernehmen müssen.

In diesem Ort setzen sich allerdings auch sehr viele Menschen für die Geflüchteten ein, der örtliche Sportverein macht enorm viel, die Grundschule ebenso. Ich möchte diesen Menschen gerne an dieser Stelle für Ihren Einsatz und Aufwand danken und wünsche mir, dass wir als Ort den Mut finden, solche Worte, wie das oben genannte, in der Öffentlichkeit zu kritisieren, denn nur so kann sich auch etwas verändern.

Zu meinen persönlichen Erfahrungen in meinem Leben das folgende: Ich habe Rassismus, bis zuletzt, nie wirklich in dem spezifischen Moment als Rassismus – oder fremdenfeindlich – realisiert. Das liegt aber auch daran, dass mein Aussehen keine Angriffsfläche für fremdenfeindliche oder rassistische Ausfälle zulässt. Ich sehe schlichtweg so aus, wie sich Menschen in Deutschland und auch im Ausland einen „deutschen“ eben vorstellen.

Nicht in der Realschule, in der mein Klassenlehrer, ein scheinbares Fehlverhalten lustigerweise auf meinen vorhandenen Migrationshintergrund zurückführen wollte, noch wirklich als mein Religionslehrer anfing im ganz großen Stil gegen den Islam zu hetzen. Vielleicht noch der Hinweis für euch, dass ich kein Muslim bin, die Ausfälle meines ehemaligen Religionslehrers waren also so übel, dass man den Blödsinn selbst ohne großes Wissen über diese Religion durchschauen und als erschütternd empfinden konnte.

Als Kind und auch als Jugendlicher, denke ich, nahm ich das Ganze nicht wirklich als das wahr, was es ist: rassistisch und fremdenfeindlich.

Das erste Mal als ich Rassismus erlebt habe und im ersten Moment zwar gelassen war, im zweiten Moment aber merkte was dahinter steckt war folgender: Ich arbeite neben meinem Studium mit Kundenkontakt, vor allem auch telefonisch und via Mail. Letztens erhielten wir eine Mail als Antwort eines Kunden, in der er angab mit einem Herr „Yandöner“ gesprochen zu haben.

Mein Nachname ist Yandemir.

Im ersten Moment habe ich darüber gelacht, im zweiten Moment aber realisiert, dass diese Person eigentlich nichts anderes gemacht hat, als das größte Klischee gegenüber türkischen Menschen in Deutschland in meinen Namen einzubauen, eine Tatsache die mich dann doch nachdenklich gemacht hat. Eine Tatsache die meines Erachtens auch kein unglücklicher Zufall oder ein Missverständnis sein kann.

Das Ganze geschah vor einem halben Jahr.

Ich möchte das ganze nicht dramatisieren, ich denke es existieren sehr viele Bevölkerungsgruppen auf der ganzen Welt, die sehr viel schlimmere Erfahrung aufgrund dieses Überbleibsels der frühen Neuzeit erleben müssen. Wenn wir es als Gesellschaft aber nicht mal hinbekommen, Familien die in dritter, vierter oder gar bald fünfter Generation hier leben, als Teil der Gesellschaft zu akzeptieren, ohne solche Äußerungen oder Ansichten weiterhin aufrechtzuerhalten, wie wollen wir dann lernen, Menschen, die der Ansicht vieler nach, „nicht wie wir sind“, überhaupt zu akzeptieren?

Let´s talk about racism am 02.10.2020: https://www.instagram.com/p/CF2MfJbo4MY/

Beitrag Nr. 2 vom 07.10.20

Ich komme aus China. Rassismus gegen Chinesen ist keine neue Sache. Vor ein paar Wochen habe ich einen Rassisten in Stuttgart getroffen. Er hat mich angegriffen und der Grund ist einfach „Corona“. Er hat mich sehr geärgert. Aber ich habe mich gut zurückgehalten. Zum Glück hat mir ein Junge dabei geholfen. Er hat die Polizei gerufen und mit mir den Rassisten aufgehalten.

Nach dieser Erfahrung frage ich mich, soll ich den Mann einen „Deutschen“ nennen und einfach sagen, die Deutschen sind alle Rassisten? Nein! Der deutsche Junge hat mir geholfen und eine deutsche Dame ist freiwillig als Zeugin dazu gekommen. Ich glaube, dass genau diese Reflektion einen Unterschied zwischen mir und dem Rassisten macht.

Man liebt Vorurteile, genauso, wie man es liebt, schlechte Sachen zu tun. Menschen zu schlagen, schimpfen, rauchen, … ist einfach. Man braucht kein Bachelorzeugnis, um richtig zu schimpfen. 

Für Rassismus ist es auch so. Man braucht nur zu wissen: ‚Die Chinesen essen Hunde‘, ‚Alle Chinesen sind hinterhältig’… Jemand sagt ‚So sind die Chinesen(usw.)‘ andere sagen dann ‚Ja! Stimmt so!‘ – eine typische Szene. 

Ich glaube, dass der Schlüssel ‚Kommunikation‘ ist. Mein erstes Master-Semester in Deutschland war letztes SoSe sozusagen schade. Ich hoffe in dem nächsten Semester werden mehr Veranstaltungen möglich. Es wäre auch schön, wenn wir Studierenden aus verschiedenen Ländern offen über Rassismus sprechen. Mindestens muss man Rassismus an der Uni so gut wie möglich vermeiden.

Let´s talk about racism am 07.10.2020: https://www.instagram.com/p/CGHx3DbMd9E/

Beitrag Nr. 3 vom 10.10.20

Was bedeutet es, als Schwarze in Deutschland aufzuwachsen?

Diese Frage lässt sich nicht in einem kurzen Instagram Post erklären. Eine Studentin hat sich die Mühe gemacht, ihre Erfahrungen in einem kleinen Buch aufzuschreiben.

Was wir schon mal vorwegnehmen können: die Universität erlebt die Studentin als vielfältigeren und offeneren Ort als zum Beispiel den Kindergarten oder die Schulzeit. Es ist doch schön zu wissen, dass wir auf unserem Weg nicht bei null anfangen. Aber lest selbst.

Let´s talk about racism am 10.10.2020: https://www.instagram.com/p/CGZ2UL_sdA6/